30 Jahre FSA – An einem Sonntag im August

Am 19. August 1990 - im Kongress-Center Magdeburg beschlossen insgesamt 50 Delegierte aus den Bezirksfachausschüssen (BFA) Halle und Magdeburg die Gründung des Fußballverbandes Sachsen-Anhalt (FSA) e.V.

Doch was ist passiert, dass an diesem Sonntag im August mit der Gründung des FSA ein neues Kapitel im Fußballsport aufgeschlagen wurde?

Dazu muss man noch ein paar Monate zurückgehen. Um genau zu sein bis zum 31.03.1990. An diesem Tag wird Dr. Hans-Georg Moldenhauer auf dem 8. Verbandstag des Deutschen Fußballverbandes der DDR in Strausberg zum neuen DFV-Präsidenten gewählt. Bei seiner Antrittsrede erklärte er unter anderem, den Kontakt zum DFB suchen zu wollen. Ziel ist es, den DFV im Laufe des Jahres als Regionalverband (NOFV) in den Deutschen Fußball-Bund einfließen zu lassen, um die strukturellen Voraussetzungen für eine Vereinigung des deutschen Fußballs abzusichern.

Deshalb war es notwendig vor der Gründung der neuen Bundesländer also auch Sachsen-Anhalt (3.10.90) den Fußballverband Sachsen-Anhalt entstehen zu lassen.

Unterstützung aus Niedersachsen

Dr. Hans-Georg Moldenhauer (2. v. l.) erhielt bei seinem Gründungsvorhaben tatkräftige Unterstützung vom NFV-Präsidenten Engelbert Nelle (Mitte)

Doch wie Dr. Moldenhauer feststellen musste, gestaltete sich die Gründung des FSA schwierig. Zudem war man auf materielle und finanzielle Unterstützung angewiesen. Diese bekam der BFA Magdeburg, dessen Vorsitzender Dr. Moldenhauer war, durch den Niedersächsischen Fußballverband um NFV-Präsident Engelbert Nelle. Schon seit Dezember 1989 war Nelle über Dr. Moldenhauers Vorhaben informiert und sagte seine Unterstützung zu. „Gleiches trifft für den BFA Halle zu, wo der Vorsitzende Heinz Marciniak die Fäden in der Hand hatte und mit mir in ständigem Kontakt stand.“

Am 19. August 1990 gründeten 50 Delegierte den Fußballverbandes Sachsen-Anhalt e.V. Viele Ehrengäste kamen aus dem Niedersächsischen Fußballverband. Heinz Marciniak wurde zum Präsidenten gewählt und Dr. Moldenhauer übernahm die Funktion des Vize-Präsidenten.

Dr. Hans-Georg Moldenhauer (links) und Heinz Marciniak (rechts) am Gründungstag des FSA im Kongress-Center Magdeburg

Auch über diesen Tag hinaus hat der NFV dem FSA in jeder Beziehung Unterstützung gegeben. „Nach der Gründung hatten wir kaum technische Mittel. Diese hat uns Engelbert Nelle u.a. in Form von Computern zu Verfügung gestellt“, sagt Dr. Moldenhauer. Obwohl nunmehr 30 Jahre vorbei sind, eine Kooperation mit dem NFV gibt es bis heute.

Darüber hinaus übernahm der DFB die Finanzierung des Geschäftsführers und des Landestrainers.

Dr. Hans-Georg Moldenhauer ist mittlerweile 78 Jahre und Ehrenmitglied des FSA. An den Gründungstag vor 30 Jahren erinnert er sich gern zurück: „An diesem Tag haben viele dazu beigetragen neue Strukturen zu entwickeln, die neue Möglichkeiten im Fußballsport auf Landesebene geschaffen haben.“ Dazu gehörten neue Spielklassenstrukturen und der Aufbau der Geschäftsstellen des FSA und der KFV.

„Wir waren keine Zauberer“

Ebenfalls eine gute Erinnerung an die Gründung hat Heinz Marciniak, der erste FSA-Präsident. Er stellt aber auch klar, dass es für alle Beteiligten eine völlig neue Aufgabe war.

„Plötzlich konzentrierten wir uns ausschließlich auf Sachsen-Anhalt, ein neues Bundesland, das uns allen so noch nicht vertraut war.“ So war es auch nicht verwunderlich, dass der FSA zu Anfang „kleine Brötchen backen“ musste. Gerade in Hinblick auf die Erstellung einer Satzung merkt Marciniak an: „Nun, wir haben die Satzung so eingefädelt, dass wir damit umgehen konnten. Wir mussten uns den Gegebenheiten fügen und das, was wir nicht überschauen konnten, sein lassen. Es musste irgendwie funktionieren. Wir waren keine Zauberer“, so der heute 86-jährige.

Auch die knapp 1000 Vereine, die der FSA bei seiner Gründung vorzuweisen hatte, mussten sich umstellen. Die Vereine, vor der Wende staatlich gefördert, mussten auf den Weg in die freie Marktwirtschaft, in den „e.V.“ vorbereitet werden.

„In Wolfen hatten wir zu DDR-Zeiten 5000 Zuschauer. Über die Filmfabrik Wolfen, ein Chemie-Betrieb mit zehntausenden Beschäftigten, wurde in den Nachwuchs investiert. Städte ohne einen Großbetrieb hatten das Nachsehen. Nach der Wende war der Fußball plötzlich selbständig und das Geld saß nicht mehr so locker. Die Kombinate gab es in der Regel nicht mehr. Da musste man Gelder einwerben“, erklärt Marciniak.

Benzingeld und Ost-West Transfers

 Aus seiner aktiven Zeit beim FSA hat Dr. Hans-Georg-Moldenhauer ein großes Privatarchiv angelegt

Darüber hinaus wurden Aufgaben, die zu DFV-Zeiten überwiegend hauptamtlich geleistet wurden durch ehrenamtliche Mitarbeiter übernommen. Deshalb war es für Dr. Moldenhauer zu Anfang eine schwierige Aufgabe, Personen für ein Ehrenamt beim FSA zu begeistern. Doch das Interesse daran kam schneller als gedacht. „Ich war überrascht, wie schnell sich Leute gefunden und welchen Ehrgeiz und Engagement sie für das Ehrenamt aufgebracht haben. Die sind sehr viele Kilometer gefahren und keiner ist gekommen und hat beim FSA nachgefragt, wo sein Benzingeld bleiben würde.“

Mit Blick auf den aktuellen Stand des Ehrenamtes sagt der kommissarische FSA-Präsident Frank Hering:“ Wir fokussieren uns aktuell auf die Stärkung des Ehrenamtes. Der menschliche und moralische Aspekt sollte bei einem ehrenamtlichen Engagement ausschlaggebend sein und nicht der finanzielle. Oftmals wollen die, die sich engagieren, nur ein Dankeschön. Darauf muss mehr geachtet werden, so Hering.

Ein weiterer wichtiger Punkt für die Entwicklung des FSA war die Aufrechterhaltung und der Ausbau der Nachwuchsstützpunkte in Zusammenarbeit mit dem DFB. „Talentstützpunkte gab es ja schon in der DDR, bevor es sie überhaupt beim DFB gegeben hat. Dass wir die Zusammenarbeit mit dem DFB nach der Wende aufrechterhalten und weiter ausgebaut haben, führte ja letzten Endes dazu, dass die Erfahrungen in der Talentsichtung und -entwicklung Grundlage vieler neuen Projekte auf diesem Gebiet im DFB waren“, so Dr. Moldenhauer.

Frank Hering blickt mit etwas Wehmut auf die Abwerbung junger Ost-Talente durch den „Westen“ zurück. „Ich bin seit 1992 für den Verband tätig und habe das natürlich alles hautnah mitbekommen. Es ist schade, dass die jungen Spieler aus welchen Gründen auch immer in den Westen gegangen sind. Man hat die Talentschmiede des Ostfußballs teilweise ausbluten lassen“, sagt Hering.

Geschlossen in die Zukunft

Von der Gründung weg auf den heutigen FSA angesprochen sagt Marciniak: „Heute gibt es vier Vize-Präsidenten und einen kommissarischen Präsidenten. Um hier bei Abstimmungen und Besprechungen zu guten Lösungen zu kommen, müssen die Beteiligten eine hohe Kompetenz zum Reden und Zuhören über schwierige Sachen aufweisen. Bei mir hat damals eigentlich kaum einer widersprochen. Als Präsident stand ich irgendwie über den Dingen.“

Einen Vergleich zu damals möchte der kommissarische FSA-Präsident Frank Hering nicht wagen: „Ein Vergleich an sich ist nicht möglich. Das ganze System, auf dem der FSA damals gegründet wurde und gefußt hat, ist ein anderes. Das zieht sich vom Breiten-, zum Amateur- bis hin zum Spitzensport. Vieles ist komplexer geworden. Das hat Auswirkungen auf die Arbeit im Ehren- und Hauptamt.“

Mit Ausblick auf die Zukunft des FSA erklärt Hering: „Es wird unumgänglich auf eine Strukturreform hinauslaufen. Verschmelzungen von KFV/SFV, wie die von Anhalt-Bitterfeld, Anhalt und Wittenberg im nächsten Jahr, sind Teil dieses Vorhabens. Doch das können wir nur gemeinsam erreichen. Das wir solche Entscheidungen als Verband in Zusammenarbeit mit den Vereinen treffen und dabei einheitlich auftreten, hat u.a. schon der außerordentliche Verbandstag im Juni gezeigt. Nur durch diese Geschlossenheit können wir alle zusammen zukünftige Herausforderungen meistern.“

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